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Unruhige Zeiten standen ihnen bevor. Das war ihnen sehr bewusst.
Josef legte Extraschichten ein und Marlene gab im Call Center richtig Gas, allerdings mit mäßigem Erfolg. Dem Paar wurde das Sozialgeld gekürzt, da ihr Sohn endlich mit seiner Freundin zusammenzog. Natürlich freuten sie sich für ihn, doch war dieser Zeitpunkt denkbar ungünstig gewählt. Alte Rechnungen, die über Monate, über Jahre offen blieben, schickten sich nun an, endlich bezahlt werden zu wollen. Außerdem hatte Josef noch drei Monate in der Auffanggesellschaft, die die Firma für die betriebsbedingt Entlassenen gegründet hatte, bevor er, mit hoher Wahrscheinlichkeit, zunächst einmal arbeitslos würde. Josef hatte schließlich seine besten Jahre hinter sich gelassen, so würden ihn Arbeitgeber klassifizieren, und damals dummerweise kurz vor dem Abschluss die Uni abgebrochen. Marlene war mit dem Sohn schwanger geworden und brauchte jede Unterstützung, die sie kriegen konnte.
Selbstlos schmiss Josef die Uni, in der Hoffnung, in naher Zukunft sein Studium doch noch abschließen zu können. Jetzt war erst einmal der Sohnemann dran, sein ganzer Stolz.
Josef hat es auch nie bereut, dass er damals den Lebenslauf, den er für sich vorgesehen hatte, abbrach. In dieser Position würde ein jeder das Gleiche tun, hat er mir einmal gesagt. Hinter seinem Rücken haben ihn aber auch viele belächelt, gerade die vermeintlichen Kommilitonen-Freunde aus der damaligen Uni-Clique. Er hätte es eh’ nicht gepackt, sagten einige.
Ich hatte ihn für diese Entscheidung seitdem immer sehr respektiert. Diesen Mut muss jemand erst einmal aufbringen. Dieser meine ihm entgegengebrachte Respekt hatte für mich wiederum zur Folge, dass einige von den plötzlichen Trashtalkern anfingen, mich als Hippie zu bezeichnen - das schlimmste, was einem in der unter einem fürchterlichen Druck stehenden leistungsorientierten Gesellschaft junger Erwachsener der frühen 80er passieren konnte.
Und ich dachte mir: „In was für einer Welt leben wir, lebe ich, in der einem die bewusste Entscheidung für Familie nachgetragen wird? Bin ich konservativ?“

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